1. title: Historisches Zeiring – Kultur und Geschichte|n in Oberzeiring (VHZ)
description: Der kreative & kompetente Ansprechpartner für Kultur und Geschichte|n rund um die Region Oberzeiring | Pölstal. Veranstaltungen, Verlag, Kulturinitiativen, die Gruppe für ihr Mittelalterfest, Kostüme, Beratung und Service.
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Events
Seit 2001 hat sich der Verein Historisches Zeiring als Veranstalter einen Namen weit über die Region hinaus gemacht. 2008 wird er mit einer klei-nen Fackelwanderung einen Rundgang durch den Kern der mittelalter-lichen Stadt mit ganz besonderer Atmosphäre anbieten. 2009 schließlich werden die historischen Gemäuer wieder im historischen Glanz erstrahl-en, wenn zu einem mittelalterlichen Markttag geladen wird. (Für nähere Informationen wählen Sie bitte eines der untenstehenden Kapitel)
1.1 Fackelwanderung 08
1.2 Markttag 09
Am 22.8.2009 wird es wieder so weit sein: das mittelalterliche Zeiring wird wieder zum Leben erwachen. Eine mittelalterliche Bergwerksstadt, in der an diesem Tag Markttag abgehalten werden wird. Mit Handwerkern und Händlerinnen, Bäuerinnen und Fratschlern. Zu einer solchen Geleg-enheit wird sich wieder allerhand Volk im Markte tummeln: Spielleute und Sängerinnen, Bäckerinnen und Marketender werden dafür sorgen, das alle hungrigen Seelen zufrieden und rundum glücklich einen Tag voller Freuden genießen können. Am Abend schließlich werden die historischen Gemäuer im Fackelscheine erstrahlen und Speiß und Trank werden dafür sorgen, dass die gerühmte Zeiringer Gastlichkeit wieder einmal bestätigt werden wird.
1.3 Zeiringer veranstaltungen sind anders
Nachdem das erste Mittelalterliche Marktfest auf der zirik 2001 ein derart umjubelter Erfolg wurde, hat sich der Verein Historisches Zeiring spätestens mit dem historischen Handwerksfest auf der zirik weit über die Region hinaus einen Namen gemacht.
So fand auch 2003 wieder ein ganz besonderes Ereignis statt. Mit dem zweiten großen Fest fand der veranstaltende Verein Historisches Zeiring einen Rythmus, mit dem sie alle drei Jahre Oberzeiring von seiner schönsten Seite präsentieren. 2006 wurde dabei ein neues Konzept aus-probiert: Das "Gelage im Fackelschein" bot allerlei kulinarische Köstlich-keiten an, die schon längst von den Speisekarten verschwunden sind und für besondere Genüsse sorgten.
Die historischen Fest im historischen Zeiring sind anders als andere Ver-anstaltungen dieser Art, das hat sich inzwischen herumgesprochen. Über ca. 5000 Besucherinnen und Besucher haben auf diese Art und Weise in den vergangenen Jahren Geschichte hautnah erlebt.
Die Merkmale der „Feste der Zeiringer Art“
w Zeiringer Mittelalter ist gut recherchiert: besonderes Augenmerk auf historische Vorgaben
w Zeiringer Mittelalter ist gemütlich: kein kommerzielles Ausschlachten von Klischees, stressfreie, unaufdringliche Veranstaltungen ohne reiss erische Pop-Effekte
w Zeiringer Mittelalter kann man angreifen: größter Teil der Mitwirkenden sind ehrenamtliche ZeiringerInnen, die keine Angst vor Nähe zu BesucherInnen haben und nicht aus Geschäftsinteresse mitmachen. Mitwirkende von Auswärts werden sorgfältig ausgewählt

2 Geschichte
Geschichte ist Geschichten
Vergangenheit ist immer das, was wir darüber erzählen. Viele Menschen glauben, dass dafür nur die große Politik wichtig sei. Könige und Kaiser, Kriege und Schlachten, vielleicht noch Wirtschaftskrisen und Erfindungen. Wir glauben, dass Geschichte das ist, was erzählt wird. Wir glauben deshalb auch, dass es kein Zufall ist, was für eine „wichtige“ und eine „unwichtige“ Geschichte gehalten wird. Denn darin spiegelt sich immer wider, wer für eine „wichtige“ und wer für eine „unwichtige“ Person gehalten wird. Wir möchten auf diesen Seiten ein paar Beispiele für Geschichten bieten, die sonst eher nicht erzählt werden.
Wenn Sie spezielle Anfragen oder Fragen zur Geschichte der Region oder zu bestimmten Themen haben, kontaktieren Sie uns bitte einfach. Wir nützen auch gerne unsere Kontakte zu verschiedenen regionalen Archiven, wenn Sie auf der Suche nach Fotografien oder anderen Quellen sind. Im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen wir Ihnen bei solchen oder anderen Problemen, die mit der Geschichte der Region zu tun haben, gerne weiter.
2.1. Nicht erzählte Geschichten: Ermordete ZeiringerInnen
Wie wir alle wissen, vergisst man vieles und erinnert sich an manches absichtlich lieber nicht. Manchmal geht so mit Menschen auch die Erinnerung an sie verloren. Besonders im letzten Jahrhundert kommt man darum nicht herum. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist eine Geschichte der verschwundenen, vertriebenen, getöteten Menschen.
Dennoch werden und wurden bisher alle offiziellen Geschichten von Oberzeiring im 20. Jahrhundert erzählt, ohne solche Menschen und deren Leiden zu berücksichtigen. Ganz im Gegenteil: Genau die Geschichten über die Opfer des „Dritten Reichs“ wurden so lange nicht berichtet. Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten, die den Wahnsinn der Menschenvernichtung auf die unvergleichliche Spitze getrieben haben, haben auch Zeiringerinnen und Zeiringer sinn- und grundlos ermordet. Das bemerkenswerte daran ist. Von diesen Menschen ist kaum etwas geblieben, kein Grab, keine Geschichte, keine Erinnerung.
Nehmen wir das Beispiel einer Zeiringerin, Frau Heller, die wohl um die Jahrhundertwende geboren wurde. Wir kennen sie nur mehr von einem Foto, das sie in der Mitte der „Altsteirer-Tanzgruppe“ zeigt, lächelnd, mit einem Hut auf dem Kopf, „in Tracht“. Die wenigen Bruchstücke, die man davon abgesehen noch von ihrem Leben zusammensetzen kann, sind: Sie lebte mit ihrem Lebensgefährten in Unterzeiring, arbeitete wohl als Hausfrau. Geheiratet haben die beiden nie und während der Zwischenkriegszeit wurde allgemein bekannt, dass Frau Heller eine „Halbjüdin“ sei. Dieser Ausdruck wurde im nationalsozialistischen Rassenwahn für jemanden verwendet, der einen Elternteil „jüdischer Abstammung“ hatte. Für Frau Hellers Alltag hatte das Folgen. In Oberzeiring kam ein Spottlied in Umlauf mit dem sie immer wieder beschimpft wurde. Eine der Textvarianten dieses Liedes lautete: „Salomon der Weise, sprach zu seiner Frau: `Sarah, du hast Läuse, schämst dich nicht, du Sau?`“ Was von ihrem weiteren Leidensweg noch bekannt ist, ist das Gerücht, dass sie jemand angezeigt hatte und schlussendlich alles, was man aus folgender Aussage lesen kann: „De hab’n sie g’holt. […] Von ihr hat man nichts mehr g’hert.“ Doch auch ein solches Ereignis klingt aus den Mündern verschiedener Leute ganz unterschiedlich. Manche sagen, jeder sei schockiert gewesen, als die Nachricht vom Abtransport die Runde machte, andere wiederum betonen den Spott, dem Frau Heller ausgesetzt war, als sie noch in Zeiring lebte. Auch von diesen beiden Seiten betrachtet ist eines klar. Mit nur wenigen Sätzen kann man alles zusammenfassen, was als Erinnerung an diese Frau geblieben ist. Mit dem „Verschwinden“ von Frau Heller verschwand auch ihre Geschichte, weil sie als peinliche, unangenehme Erinnerung verstanden wurde, mit der niemand umgehen konnte. Das führte dazu, dass sich von den Menschen, die neben und mit ihr zu dieser Zeit lebten, niemand mehr an ihren Vornamen erinnern kann. Genauso wie Frau Heller kein Grab hat, an dem man ihren vollen Namen, ihr Geburts- und Todesdatum ablesen kann, gibt es über sie keine Geschichte.
Dasselbe kann man über Kinder berichten, die als behindert und nach den NS-Vorstellungen deshalb als „unwertes Leben“ eingestuft wurden. Auch hier gab es einige Fälle in Oberzeiring, und auch darüber sprach niemand mehr ausführlich. Über den Fall eines behinderten Kindes kursierte das Gerücht, dass es der eigene (unverheiratete) Vater, ein Gendarm, bei der Mutter abholen lassen hätte. Doch abgesehen davon existieren nicht die geringsten Hinweise auf die mindestens zwei Oberzeiringer Kinder, die im Nationalsozialismus ermordet wurden. Nur ganz wenige Menschen erinnern sich überhaupt an sie.
Im Gegensatz dazu wurde im Marktkern von Oberzeiring 1958 ein „Denkmal“ errichtet, das Namen und Kurzdaten von Männern nennt, die während des Zweiten Weltkriegs als Soldaten der nazideutschen Wehrmacht starben. Viele Angehörige betrachteten dieses „Kriegerdenkmal“ als so etwas wie ein Ersatzgrab, an das man die Erinnerungen an ihre Verwandten knüpfen konnte. Für jene Menschen, deren Angehörige ermordet wurden, weil sie Jüdin oder behinderte Kinder waren, war es undenkbar, ein Ersatzgrab zu verlangen. Die Geschichten dieser Menschen sollten nicht erzählt werden, sie waren selbst für die Verwandten der Opfer peinlich. Aus dem Nationalsozialismus machte man „die Zeit, über die man besser schweigt“ und die Menschen, die von diesem Regime, seinen Helferinnen und Helfern ermordet wurden, wurden zu den „Fällen“, über die man besser schwieg. Nach den Menschen wurden also auch die Erinnerungen an sie getötet. (Stefan Benedik Karner)
2.2 Frauengeschichten und Mannsbilder
Fragt man nach den wichtigsten Unterscheidungen zwischen Menschen, wird man bald auf die Spur der Geschlechtszugehörigkeit stoßen. Schon bei der Geburt fragte und fragt man: „Und was ist es?“ und meint damit nichts anderes als das Geschlecht des Neugeborenen. Welchen Unterschied machte es nun, ob das Kind ein Mädchen oder ein Bub war?
In Oberzeiring um 1920 bedeutete die Geschlechtszugehörigkeit Entscheidendes für den Lebensalltag eines Menschen: Wie in der Kirche, wo Frauen links und Männer rechts saßen und wie bei Prozessionen, bei denen vorne die Männer und hinten die Frauen gingen, gab es viele Bereiche, die für das eine oder das andere Geschlecht bestimmt waren. Ganz grundsätzlich galt dabei, dass die Öffentlichkeit den Männern zugeordnet wurde, während der Haushalt, Kinder und Familie als weibliche Zuständigkeitsbereiche verstanden wurden. Das bedeutete: Männer hatten einen fixen Verdienst, Frauen nur in den seltensten Fällen. Damit waren sie auf eine Heirat angewiesen waren, um sich (und ihre Kinder) versorgen zu können. Ledige Frauen hatten Schwierigkeiten, durchs Leben zu kommen und hatten sie Kinder, waren sie so gut wie immer von Armut bedroht.
Von dieser strikten Trennung gab es nur wenige Ausnahmen. Im Gemeinderat saßen selbstverständlich ausschließlich Männer, die Stammtische in den Gasthäusern sahen ebenso selten Frauen und zahlreiche Vereine waren ausschließlich Männern vorbehalten: Feuerwehr wie Musikverein, Gesangsverein und Schützenverein. Nur die beiden bürgerlichen Vereine „Altsteirer-Tanzgruppe“ und „Radfahrverein“ nahmen ebenso Frauen auf. Auch was illegale politische Aktivitäten betrifft, kann man interessante Feststellungen machen. Die verbotene Jugendgruppe, die in den 30er Jahren im Untergrund Ideen des Nationalsozialismus verbreitete, bestand aus Mädchen und Jungen gleichermaßen. Menschen beiderlei Geschlechts schnitten Hakenkreuze, arbeiteten in der Propaganda, bereiteten Aktionen vor. Wenn es aber darum ging, ein Foto zu machen, kamen die Mädchen nicht aufs Bild.
Im Markt traf dieses Prinzip dennoch nicht auf alle Menschen zu. Hier begegnen uns schon vor 1920 Frauen, die über ein eigenes Einkommen verfügten, weil sie Unternehmerinnen waren. Sie brauchten sich von niemandem anstellen lassen, sie hatten ihr eigenes Geschäft, ihr eigenes Gasthaus, ihr eigenes Handwerk. Von ihnen blieben zahlreiche Geschichten erhalten: Von Elisabeth Seitlinger beispielsweise, der Frau des Postmeisters, die als erster Mensch in Oberzeiring überhaupt die Technik des Telegrafierens erlernte. Über eine lange Zeit musste sie jedes Mal gesucht und ins Postamt gebeten werden, wenn ein Telegramm empfangen oder weggeschickt werden sollte. Eine andere Geschichte betrifft die Wirtin des Gasthauses zum Grünen Specht, Klara Mandl, die als einzige kassierte und den Umsatz in den Taschen ihres Kittels aufbewahrte. In diesem Zusammenhang könnte man zuletzt auch noch Flora Engele als Beispiel erwähnen, die Geschäftsfrau des gleichnamigen großen Kaufhauses am Marktplatz von Oberzeiring. Sie fiel nicht nur dadurch auf, dass sie das gesamte Unternehmen allein führte und niemals heiratete, sie beteiligte sich genauso an zahlreichen Aktivitäten des kulturellen Lebens im Markt. Sie war etwa die einzige weibliche Vertreterin im Festausschuss zur „1000-Jahr-Feier-Oberzeiring“, die 1956 veranstaltet wurde. Auch als das Geschäft mit ihrer Pensionierung geschlossen wurde, ja selbst einige Zeit nach ihrem Tod nannte die Aufschrift „Flora Engele“ auf dem zentral gelegenen Haus eine Frau, die schon in den 50er Jahren im (öffentlichen) Gemeindeleben in der ersten Reihe stand.
Mit der Zeit aber wurden die Ausnahmen immer häufiger. Je länger etwa der Zweite Weltkrieg dauerte, desto weniger Männer waren – durch die Einberufung in die Wehrmacht – im Ort anwesend. Für die Frauen bedeutete das, dass sie immer mehr Verantwortung zu tragen hatten und immer mehr Arbeiten zu erledigen hatten, die eigentlich für „Männertätigkeiten“ gehalten wurden. Der Krieg galt als Ausnahmesituation, trotzdem wurde sichtbar, dass Frauen auch vollkommen alleine Bauernhöfe gut bewirtschafteten oder dass Frauen in der Feuerwehr eingesetzt werden konnten, wovon etwa ein Dokument aus dem Archiv der Marktgemeinde berichtet. Dort heißt es in einem Brief an eine Marktbürgerin: „An Frl. G.[…] Ich verpflichte Sie mit sofortiger Wirkung zur Feuerschutzpolizei (Feuerwehr) Oberzeiring, u. zwar als Maschinistin u. Autofahrerin.“ In den Städten hat gerade diese Idee zu Veränderungen geführt. Wenn Frauen grundsätzlich als Maschinistinnen und Autofahrerinnen arbeiten können, warum dann nicht auch in Friedenszeiten? Anders verhielt es sich damit am Land, so auch in Oberzeiring. Die Männer, die nach dem Krieg zurückkehrten, nahmen wieder die Positionen ein, die sie zuvor innegehabt hatten. Sie waren an der Front gewesen und erwarteten zuhause – in jeder Hinsicht – dieselbe Situation wie vor dem Krieg.
Dementsprechend lange dauerte es, bis tatsächlich wieder Feuerwehrfrauen in Oberzeiring auftauchten, obwohl sich nach den 1950er Jahren öfter Vereine entwickelten, die für Frauen und Männer zugänglich waren, wie etwa die Landjugend oder der Kirchenchor. Die älteren „Männervereine“ akzeptierten mit der Zeit auch Frauen, wie der Musik- und der Schützenverein oder eben schließlich die Feuerwehr, die erste weibliche Mitglieder an der Schwelle zum neuen Jahrtausend aufnahm.
Spricht man über die Rollen von Frauen in Oberzeiring, darf man eines natürlich nicht übersehen: Von 1995 bis 2002 stand eine Frau offiziell an der Spitze der Gemeinde, als Bürgermeisterin. Von der ersten Gemeinderätin (Maria Wurzenberger ab 1970) bis zur weiblichen Ortschefin hatte es nur 25 Jahre gedauert. Rosa Rabitsch war damit unter den ersten Frauen, die in Österreich ein solches Amt übernahmen. An der Jahrtausendwende war also möglich geworden, womit noch im Oberzeiring der 1920er Jahren niemand gerechnet hätte: Rollenbilder von Frauen und Männern hatten sich verändert. Wie schon zuvor steht auch dieser Wandel im Zusammenhang mit einem großen gesellschaftlichen Umbruch, der sich in diesem Bereich bis zum Ende des Jahrhunderts allerdings nicht so grundlegend gezeigt hat. (Stefan Benedik Karner)

2.4 Wassereinbruch: Viel Lärm um nichts
Es ist schwer zu glauben. Ausgerechnet die Geschichte, mit der Zeiring am häufigsten in Verbindung gebracht wird, ist gar nicht wahr. Ausgerechnet die Geschichte vom Wassereinbruch in diesem Bergwerk löst sich in Luft auf, wenn man ihr auf den überfluteten Grund gehen will. Die Blüte des berühmten Silberbergwerks dauerte nur ungefähr 80 Jahre lang, dann wurde nicht mehr hier abgebaut. Gründe dafür waren unter anderem, dass man erstens immer weniger Silber in diesem Bergbau fand, zweitens langsam aber ständig Grundwasser einsickerte, das man mühsam hinaus schaffen musste und drittens durch Funde in anderen Regionen der Welt der Weltmarktpreis des Silbers sehr stark verfallen war.
Von einer Katastrophe im Berg gibt es überhaupt keine zeitgenössischen Aufzeichnungen. Ebenso war in dem Jahr, dass am häufigsten als Unglücksjahr gennant wird (1361, nach einer Zuordnung von Johann Schmut 1910) der Landesfürst (Rudolf IV) in Zeiring, der hier zwei Urkunden schreiben ließ, wo aber nirgends auch nur irgendetwas von einer Katastrophe steht. Ganz im Gegenteil schreibt der Herzog von Ausbesserungsarbeiten, die in einem hoffnungslos abgesoffenen Bergbau wohl kaum mehr notwendig wären.
Mit einem Wort musste das mittelalterliche Zeiringer Silberbergwerk schließlich einfach wegen wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Diese Tatsache geriet mit der Zeit aber in Vergessenheit und so kam später die Geschichte von einer großen Katastrophe auf. Dieser Wassereinbruch im Zeiringer Bergwerk wurde lange Zeit für ein historisches Ereignis gehalten, bis man vor wenigen Jahren beweisen konnte, dass diese Geschichte eine Sage, aber eben nicht mehr, ist.
So spannend und spektakulär diese Sage ist, sie hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun und so kann ich Sie auch beruhigen: In diesem Bergbau liegen nicht die Leichen von hunderten umgekommenen Bergleuten. Die Geschichte vom Wassereinbruch in diesem Berg wurde sehr lange für wahr gehalten. Daneben faszinierte die Menschen aber immer auch der Gedanke, dass sie unter dem Wasser noch Silber finden könnten. Tatsächlich liegt hier nämlich Wasser, und man dachte, man braucht dieses Wasser nur herauszupumpen, und schon kommt man bequem wieder zum edlen Metall.
Tatsächlich sind die über 15 verschiedenen Wasserhebeprojekte, die mit dem des Kaisers Maximillian 1506 beginnen, teilweise Meisterleistungen ihrer Zeit und höchst aufwändig gestaltet. Beispielsweise wurde für das Projekt unter Maria Theresia jahrelang technische Höchstleistung erbracht, die insgesamt 30.000 Gulden (eine ungeheure Summe) an Kosten verursachte.
Doch auch in diesem Fall scheiterte das Unternehmen wie alle anderen zuvor an einem einfachen Problem: Es konnte zwar genug Wasser aus dem Berg gebracht werden, aber der Wasserspiegel selbst sank nur sehr wenig. Heute wissen wir warum: Dieses Wasser ist Grundwasser, das zum Glück immer wieder nachrinnt. Und außerdem befindet sich, wie wir aber erst jetzt wissen, unter diesem natürlichen Wasserspiegel kein Silber mehr. Deshalb war auch alles Geld, das reiche Herren und Damen hier investiert hatten, vollkommen umsonst. (Stefan Benedik Karner)

2.5 Mehr zur Geschichte Oberzeirings
Hier gibt es weitere Informationen zur Geschichte Oberzeirings
Im Wikipedia-Artikel zum Markt http://de.wikipedia.org/wiki/Oberzeiring
Im Buch „Kino, Kur & Kerkersuppe – Leben unter Gegensätzen in Oberzeiring 1920-80“

3 Fotos
4 Auftritte
Der heutige Markt war im Mittelalter eine wichtige Bergbaustadt und kann daher auch auf eine recht interessante und "große" mittelalterliche Geschichte zurückblicken. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, einen repräsentativen Teil dieser mittelalterlichen Stadtbevölkerung detailgetreu zu rekonstruieren und haben aus dieser Bestrebung heraus eine große Gruppe für Living-history-Projekte geschaffen. Diese "Bürgerschaft von der zirik" besteht aus bis zu 60 DarstellerInnen aller sozialen Schichten, sprichwörtlich vom Bettler über Bauern und HandwerkerInnen über die StadtbürgerInnen bis hin zu Personen adel-igen Stands, die mit Musik, Tanz und dem Lagerleben eine Bereicherung für jedes mittelalterliche Fest darstellen. Unter anderem wurde der mittelalterlichen Stadt Zeiring auch das Münz-recht verliehen, und wir wissen durch einen besonderen historischen Zufall (erhaltene Münzordnungen), wie auch in dieser Zeiringer Münz-stätte gearbeitet wurde. Wir haben diese Arbeiten rekonstruiert und können beispielsweise inzwischen genau diese Zeremonie nachstellen und interessant vermitteln. Diese transportable Münzstätte ist auch das Kernstück unseres Angebots für Feste in ganz Europa.

Wir fahren mit diesem unserem Können gerne auf Mittelalterfeste und unterhalten dort die BesucherInnen auf "authentisch" mittelalterliche Weise. Unser Angebot umfasst je nach den Wünschen und Vorstellungen des Veranstalters unter anderem: w Lager (ca. 120 m²) mit Münzstätte und Lagerleben w ca. 20 - 60 Personen in mittelalterlicher Gewandung w ganztägiges Beleben des Lagers mit unterschiedlichsten Aktivitäten, die für mittelalterliche BürgerInnen typisch waren w Auf Wunsch große Festtafel der Bürgerschaft mit authentischer Tafelzeremonie w Schauprägen im Rahmen der Vorführung vom Schmelzen des Silbers und allen 7 Weiterverarbeitungsstufen bis zum Prägen der Pfennige w Besucher können sich (auf Wunsch) auch selbst Pfennige prägen w Mittelalterliche Spiele zum Mitmachen und Zuschauen
w Authentische mittelalterliche Livemusik mit „Liederlich Spielfolck“ w Konzerte mit „Schola Cantorum“ w Einzigartiger Fackeltanz ab Einbruch der Dunkelheit Wichtig ist jedoch eine rechtzeitige (wenigstens Vorab-) Reservierung, um die Verfügbarkeit der zahlreichen Akteurinnen und Akteure gewähr-leisten zu können. Wir fahren prinzipiell in jedem Jahr nur auf eine Ver-anstaltung, stellen uns dafür aber sehr individuell auf die Gegebenheiten vor Ort ein und konzentrieren uns auf diese eine Veranstaltung. Bei uns geht es nicht um die Geldmacherei, sondern um das Vermitteln von Ge-schichten und Geschichte genauso wie um das Erfreuen des Publikums.
4.1. Referenzen
Seit 2002 trat die Bürgerschaft von der zirik unter anderem auf folgenden historischen Festen auf:
Graz - Weltkulturerbefest
Großes historisches Fest in der Altstadt der steirischen Landeshauptstadt

Friesach - Spectaculum
Beim bekanntesten Mittelalterfest Südösterreichs war die Bürgerschaft
als größte (und natürlich schönste) Gruppe aktiv.

Golling – Cacelorum
Großes Fest in Golling an der Salzach (Bundesland Salzburg)

Judenburg – 900 Jahre mercatum judenpurch
Beim Jubiläumsfest in der Historischen Stadt im oberen Murtal stellte der
Verein Historisches Zeiring auch seinen Fundus zur Verfügung.

Eggenburg - Mittelaltermarkt
Am bekanntesten Mittelalterfest im Norden Österreichs war die
Bürgerschaft von der zirik ebenfalls die größte Gruppe

Baden - Ritterfest
In sengender Hitze begeisterte die Bürgerschaft junge und ältere BesucherInnen

5 Über uns
Der Verein Historisches Zeiring ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, der folgendes vorhat – wie es in seinen Statuten heißt: „Der Verein Historisches Zeiring hat sich vielmehr Folgendes zum Ziel gesetzt:
• Er arbeitet in der Auseinandersetzung mit Kultur, Vergangenheit, Erinnerung, Geschichte und Geschichten im Umfeld der BewohnerInnen der Kleinregion Oberzeiring
• Themen aus diesem Bereich sollen so vielen Menschen wie möglich in einer verständlichen und publikumswirksamen Art nahegebracht werden. Gleichzeitig damit sollen vieldeutige und mehrschichtige Umstände zur Sprache kommen.
• Forschungsarbeiten in diesem Themenfeld sollen bewusst gefördert und gestärkt werden.“

Dabei hat der Verein Historisches Zeiring einige scheinbar vollkommen verschiedene Tätigkeitsbereiche entwickelt. Stets ist es ihm ein Anliegen, dabei hohe Ansprüche und möglichst breite Wirkung zu verbinden. Erstens bemüht er sich um die Konzeption, organisatorische Abwicklung und Betreuung von ständigen bzw. temporären Ausstellungen. Zweitens hat er sich als Veranstalter einen Namen gemacht, besonders wenn es um die Entwicklung von innovativen Ideen für Veranstaltungen jeglicher Art geht. Drittens führt der Verein eine Gruppe, die auf living-history-Basis Geschichte spannend auf Veranstaltungen innerhalb und außerhalb Österreichs präsentiert. Viertens schließlich versucht sich der Verein Historisches Zeiring im Rahmen seiner Möglichkeiten in der Verlagsarbeit für Bücher oder Hefte, die im Interessensbereich des Vereins herausgegeben werden können. Zuletzt versteht er sich fünftens neben anderen Aufgaben vor allem auch als Servicestelle, die Interessierte und Profis vernetzt und verschiedene Angebote im Bereich von Kultur und Geschichte|n der Kleinregion nutzbar und bekannt macht.

5.3 Kontakt
Verein Historisches Zeiring (Verein zur Verein zur Auseinandersetzung mit Kultur und Geschichte|n im Markt Oberzeiring (VHZ)) Eingetragener Verein - ZVR-Zahl 414265452 (http://zvr.bmi.gv.at) Berghofstraße 8 - 8762 Oberzeiring Vorsitzender: Mag. Stefan Benedik Karner Stv. Vorsitzender: Ing. Walter Plescher Koordinatorin: Elke Kerschbaumer Der Verein Historisches Zeiring ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, der folgendes vorhat – wie es in seinen Statuten heißt: „Der Verein Historisches Zeiring hat sich vielmehr Folgendes zum Ziel gesetzt: w Er arbeitet in der Auseinandersetzung mit Kultur, Vergangenheit, Er- innerung, Geschichte und Geschichten im Umfeld der BewohnerInnen der Kleinregion Oberzeiring. w Themen aus diesem Bereich sollen so vielen Menschen wie möglich in einer verständlichen und publikumswirksamen Art nahegebracht wer- en. Gleichzeitig damit sollen vieldeutige und mehrschichtige Umstän- de zur Sprache kommen. w Forschungsarbeiten in diesem Themenfeld sollen bewusst gefördert und gestärkt werden.“
Dabei hat der einige scheinbar vollkommen verschiedene Tätigkeitsbereiche entwickelt. Stets ist es ihm ein Anliegen, dabei hohe Ansprüche und möglichst breite Wirkung zu verbinden. Erstens bemüht er sich um die Konzeption, organisatorische Abwicklung und Betreuung von ständigen bzw. temporären Ausstellungen. Zweitens hat er sich als Veranstalter einen Namen gemacht, besonders wenn es um die Entwicklung von innovativen Ideen für Veranstaltungen jeglicher Art geht. Drittens führt der Verein eine Gruppe, die auf living-history-Basis Geschichte spannend auf Veranstaltungen innerhalb und außerhalb Österreichs präsentiert. Viertens schließlich versucht sich der Verein Historisches Zeiring im Rahmen seiner Möglichkeiten in der Verlagsarbeit für Bücher oder Hefte, die im Interessensbereich des Vereins herausgegeben werden können. Zuletzt versteht er sich fünftens neben anderen Aufgaben vor allem auch als Servicestelle, die Interessierte und Profis vernetzt und verschiedene Angebote im Bereich von Kultur und Geschichte|n der Kleinregion nutzbar und bekannt macht.
5.2 Der Verein und seine Geschichte
Wie es der Zufall will, ist es ausgerechnet Oberzeirings jüngster Verein, der sich mit der Geschichte des Marktes beschäftigt. Der Verein Historisches Zeiring wurde 2001 gegründet und ist seitdem vor allem durch die Vielfalt seiner Aktivitäten aufgefallen. Bereits in den ersten 5 Jahren seines Bestehens hat er mit verschiedenen Veranstaltungen ca. 7500 Besucherinnen und Besucher in den Markt gelockt und mit seiner Arbeit begeistert. Worum sich seine Aktivitäten drehen, verrät schon der Untertitel des Vereins „zur Vermittlung von und Beschäftigung mit Kultur und GeschichteN im Markt Oberzeiring“. Es geht ihm um die Aufbereitung von Geschichte, um das Verständlich- und Begreiflichmachen von Kultur. Die Mittel, die der Verein dabei einsetzt, sind besonders vielfältig und überschreiten gängige Grenzen: Das Einrichten von Ausstellungen kann da etwa genannt werden, wobei eine 2005 in Zusammenarbeit mit dem Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Uni Graz veranstaltete Schau zum Thema „Alltag in der Steiermark 1945-55“ so großen Zuspruch fand, dass sie verlängert werden musste. Ebenfalls 2005 brachte der Verein in einem eigenen Verlag das erste Buch zur Zeitgeschichte der Region heraus, das unter dem Titel „Kino, Kur und Kerkersuppe – Leben unter Gegensätzen in Oberzeiring 1920-80“ reißenden Absatz fand.
Begonnen wurde allerdings in einem – nur scheinbar – ganz anderen Feld: Mit historischen Festen, deren Ziel es war und ist, Besucherinnen und Besuchern auf leicht verständliche und unterhaltsame Art und Weise Geschichte schmackhaft zu machen. Mit diesem Anspruch, dass Geschichte auch Freude machen soll und darf, ist der Verein Historisches Zeiring auch in ganz Österreich auf Tournee und präsentiert die Geschichte des Marktes, seiner Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder tausenden Interessierten. Gemeinsam ist allen diesen Aktivitäten, dass sie für jene Menschen erdacht und ausgeführt werden, die sich bisher nicht oder kaum mit Geschichte beschäftigt haben, der Verein Historisches Zeiring schafft so Berührungspunkte, ohne vieldeutige und mehrschichtige Umstände zu verschweigen. Oder anders gesagt: Auch wenn Kultur und Geschichte für sich nicht einfach zu verstehen sind, ist es ein sehr viel versprechender Weg, Menschen aus diesem Bereich einfach zu erzählen und erzählen zu lassen. In den ersten fünf Jahren seines Bestehens haben im Vorstand des Vereins Stefan Benedik Karner, Walter Steiner, Elke Kerschbaumer, Eva-Maria Piber, Heidi Pally, Michael Pfandl, Birgit Enzinger und Georg Karner mitgearbeitet.

6 Service
Wir haben im Lauf der Jahre viele Fähigkeiten entwickelt, die wir gerne mit anderen teilen. Ganz egal, ob sie ein mittelalterliches Kostüm brauchen oder wissen möchten, wer auf einem alten Foto aus Oberzeiring abgebildet ist, wir versuchen immer unser Bestes.
Kostüme und Requisiten für Feste etc.
Wir verfügen über einen relativ großen Fundus an Kostümen, die wir uns für unsere Feste zusammengestellt haben. Vom höfischen Kleid bis zum Bettlerkittel haben wir eine große Breite an mittelalterlichen Gewändern zur Verfügung, mit denen wir anderen Veranstaltern gerne unter die Arme greifen. Bitte wenden Sie sich an uns und wir helfen Ihnen gerne weiter.
Infos zu/über Geschichte|n
Wenn Sie spezielle Anfragen oder Fragen zur Geschichte der Region oder zu bestimmten Themen haben, kontaktieren Sie uns bitte einfach. Wir nützen auch gerne unsere Kontakte zu verschiedenen regionalen Archiven, wenn Sie auf der Suche nach Fotografien oder anderen Quellen sind. Im Rahmen unserer Möglichkeiten helfen wir Ihnen bei solchen oder anderen Problemen, die mit der Geschichte der Region zu tun haben, gerne weiter.

Ausstellungen
aus stellen – auf den Kopf stellen
Seit 2005 kümmert sich der Verein Historisches Zeiring um die Erarbeitung und Durchführung von Ausstellungsprojekten. Dabei ist es ihm ein besonderes Anliegen, unter anderem folgende Grundsätze mitzubedenken:
1) Ausstellungen sind Dialoge
Wir glauben nicht, dass Ausstellungen sich auf das Vermitteln von Wissen über irgendetwas beschränken sollten. Auch mit den Trends der letzten Jahre, die Museen als Erlebnisorte präsentieren wollen, hat sich nichts an einer einfachen, aber mehr als überheblichen Vorstellung geändert: Menschen, die nichts wissen, sollen in eine Ausstellung zu gehen, um etwas zu lernen. Wir glauben, dass es nicht so einfach ist. Eine Ausstellung kann auch von ihren BesucherInnen lernen. Umso wichtiger ist es uns also, dass Menschen eingreifen, verändern und sich aktiv auseinandersetzen können. So sind unsere Ausstellungen kein Trichter, sondern ein Dialog, der auch darauf Rücksicht nimmt, dass Darstellungen nicht nur von der Zeit, sondern auch von der Perspektive abhängig sind.
2) Interessant ist nicht, interessant wird gemacht
Wir glauben nicht, dass nur das interessant ist, was entweder besonders selten ist, oder aber was angeblich alle besitzen. Ganz im Gegenteil ist es uns ein Anliegen, genau die Dinge sichtbar, erlebbar und erzählbar zu machen, die sonst unsichtbar und versteckt bleiben. Dazu gehört selbstverständlich auch das Anliegen, Dinge aus privaten Sammlungen einer größeren Öffentlichkeit zu zeigen. Das kann auch bedeuten, dass bei uns jene Objekte hinter der Vitrine begeistern, die sonst schon in den Müllhalden verschwunden sind.
3) Geschichte ist Geschichten
Wir glauben nicht, dass Ausstellungen verschweigen sollten, wer sie gemacht hat. Deshalb geht es uns auch immer darum, was wie von wem erzählt wird. Unsere Ausstellungen laden also nicht nur dazu ein, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen. Sie sollen begreifbar machen, wie Geschichten – gerade in Ausstellungen – dargestellt werden (könnten).

7.1. Ausstellung 2005
Alltag in der Steiermark 1945-55 – „Durch die Jahre ist es immer besser geworden“ – gezeigt im Juli/August 2005
Die unzähligen Aktivitäten zum Gedenken an die Jahre 1945 und 1955 rückten wieder einmal die “große Politik” in den Mittelpunkt und stellten das Leben der “kleinen Leute” in den Schatten. Das muss nicht so sein, wie die erste Ausstellung des VHZ 2005 zeigte: Das alltägliche Leben in einer Zeit von Wohnungsnot und Lebensmittelknappheit, in Besatzung und Wiederaufbau, direkt an der Schwelle zur Wohlstandsgesellschaft konnte viele spannende Geschichten erzählen und begeisterte mehrere tausend BesucherInnen im Sommer 2005.
Wegbegleiter auf dieser Reise in die Welt vor 50 Jahren waren neben niemals zuvor gezeigten Fotografien alle Arten von privaten Erinnerungsstücken und erhalten gebliebenen Geräten: Von der Schulbank bis zur legendären Musik der 50er Jahre, vom ersten Staubsauger bis zum Bob, der aus dem Tank eines abgestürzten Flugzeugs gebastelt wurde.
Gezeigt hat die Durchführung der Ausstellung in Oberzeiring aber auch, dass Erzählungen über die Zeit zwischen 1945 und 1955 nicht nur für jene Menschen aufschlussreich sind, die sie noch selbst miterlebt haben. Die verschiedenen Räume entpuppten sich als Stationen einer Entdeckungsreise, auf der man den Ursprüngen verschiedener Dinge auf die Spur kommen konnte, die aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken sind: Jeder von uns hat schon einmal einen Staubsauger in der Hand gehabt, einen Steireranzug gesehen oder getragen, einen Plattenspieler bedient oder eine Bananenmilch gemixt. Die spannenden Geschichten dieser und unzähliger anderer Alltäglichkeiten, die auch unsere Gegenwart bestimmen, konnte man in dieser Ausstellung erfahren.
Dem Konzept der Ausstellung treu, dass ausschließlich Gegenstände, Erinnerungen und Fotografien aus privatem Besitz ausgestellt werden sollten, wanderten mit dem Ende der Ausstellung alle Objekte wieder zurück in die Hände ihrer EigentümerInnen, bei denen sich die VeranstalterInnen auf diesem Weg nochmals herzlich bedanken dürfen.
Die Ausstellung wurde vom Verein Historisches Zeiring in Kooperation mit dem Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Karl-Franzens-Universität Graz veranstaltet und von der Marktgemeinde Oberzeiring, dem Land Steiermark (Abteilung 9, Kultur und Abteilung 3, Wissenschaft und Forschung) sowie zahlreichen privaten UnterstützerInnen gefördert.


7.2. treff.geschichte|n
Ein neues Haus als Treff.punkt der Geschichte|n
Mit diesem Haus zum Erleben von Geschichte und Kultur wird erstmals für das Pölstal eine zentrale museale Einrichtung geplant, die diese jahrzehntealte Forderung in eine innovative Gestalt bringt. Gehen wird es dabei um mehrere Teile, die für Einheimische wie für TouristInnen eine Auseinandersetzung mit kulturhistorischen und sozialen Themen von überregionalem Interesse sowie auch aus der Region ermöglichen. Dabei besteht der besondere Reiz des Projektes in der gemeinsamen Wirkung von Veranstaltungsräumen, von Dauerausstellungen zu Bergwerksgeschichte|n bzw. zu Geschichte|n der Region, dem Schaubergwerk und anderen in diesem Bereich tätigen Institutionen. Der treff.punkt der geschichte|n versteht sich insofern als innovatives Projekt, als er die Auseinandersetzung mit Geschichte aus einer veränderten Perspektive vorschlägt. Maßgeblich dafür ist nicht nur der Verzicht auf eine Darstellung von Ereignisgeschichte, sondern ein besonderer Umgang mit „Museumsmaterial“ generell. Dabei wird nicht nur versucht werden, Dinge aus dem Alltag „kleiner Leute“ zu präsentieren, sondern durch die Aufbereitung zur Interaktion und Veränderung einzuladen. Insofern wird dieses Projekt alles sein, nur kein traditionelles Museum, zumal es seine Absicht ist, Blickwinkel, Wahrnehmungen und Bilder zu hinterfragen.
Beispiele für inhaltliche Schwerpunkte in der Dauerausstellung
Die Dauerausstellung zur Kleinregion könnte sich zum Beispiel folgende Rosinen aus dem Kuchen der Kulturgeschichte herauspicken. Damit wäre es kein Regionalmuseum im klassischen Sinn, sondern würde Themen präsentieren, die von überregionalem Interesse sind.
? Oberzeiring bedeutet für viele TouristInnen seit 1956 vor allem eines: Ein ungeheuer spannendes Stollensystem, in dem sich die Arbeit mittelalterlicher Knappen vor Ort nachvollziehen lässt. Aufgabe der Daueraustellung könnte es auch sein, dieses traditionelle Silber in einem neuen Licht vollkommen verändert, neu und spannend schimmern zu lassen.
? Die erstmalige dauerhafte Präsentation einer umfangreichen Sammlung von historischen Fotografien aus überwiegend AmateurInnenhand soll einen veränderten Einblick in die Geschichte der „kleinen Leute“ im 20. und ausgehenden 19. Jahrhundert bieten.
? Auch die publikumsfreundliche Aufbereitung der (mittelalterlichen) Stadtgeschichte wird ein Herzstück der Präsentation sein, zumal dadurch eine vorbereitende und einführende Stufe zum Schaubergwerk geschaffen würde. Im den eigentlichen Stollen könnte sich die Führung dann auf Erlebnis und Abenteuer konzentrieren.
? Viertens soll eine ansprechende Aufbereitung aktueller Diskussionen im Bereich der Kultur- und Geschichtswissenschaften angestrebt werden. Schon der Titel treffpunkt der geschichte|n spielt auf diesen theoretischen Gehalt an, der jedoch publikumswirksam umgesetzt wird, wobei interaktiven und spielerischen Elemente besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.
? Prinzipiell soll Zeitgeschichte und dabei Themen rund um Nationalsozialismus, Shoa und Holocaust breiterer Raum eingeräumt werden, wobei erneut (regionale aber dennoch überregional bedeutsame) Geschichten aus dem Umfeld kleiner Leute als Zugang dienen sollen.

8 Buecher
Kino, Kur und Kerkersuppe: Leben zwischen Gegensätzen 1920-80
Der Verein Historisches Zeiring ist auch als kleiner Verlag aktiv, wie er mit einer 2005 gestarteten Reihe zur regionalen Kulturgeschichte unter Beweis stellt. Das erste Buch, das in diesem Rahmen erschienen ist, trägt den Titel „Kino, Kur und Kerkersuppe“ und widmet sich dem Alltag zwischen 1920 und 1980. Damit ist nicht nur das erste Buch zur Geschichte Oberzeirings seit über 100 Jahren erschienen. In diesem Band präsentieren Walter Steiner und Stefan Benedik Karner auch ca. 400 Fotografien aus einer jahrzehntelang zusammengetragenen Sammlung und stellen für das Leben der Menschen in diesen 60 Jahren wichtige Fragen, wie zum Beispiel. Warum ist Oberzeiring immer mehr gewesen als ein kleiner Markt? Wie konnte der Fremdenverkehr „entdeckt“ werden? Wie haben die Menschen den Nationalsozialismus stark gemacht, wie haben sie sich zu ihm verhalten? Diese und viele andere Fragen beantwortet dieses Buch anhand von Fotos, Originaldokumenten und erklärenden Texten. Dabei zeigt es die spannende Geschichte einer Kleinregion auf leicht verständliche und fesselnde Art.
Die Vielfalt der Einblicke in das „Leben unter Gegensätzen“ reicht von der Armut der Zwischenkriegszeit bis in die 70er Jahre, von einer Auseinandersetzung mit dem Fremdenverkehr bis zur kritischen Beleuchtung der überragenden Rolle, die die Oberzeiringer Marktbürger wie selbstverständlich einnahmen. Im zweiten Teil des 320-Seiten starken Buches bieten Übersichtstafeln und Verzeichnisse die Möglichkeit, Daten und Fakten schnell nachzuschlagen.

Das Buch „Kino, Kur & Kerkersuppe“ ist natürlich nach wie vor erhältlich. Direkt bestellen können Sie dieses erste Buch zur Zeitgeschichte in dieser Region einfach hier durch einen Klick (320 Seiten, ca. 400 Abb., € 18,00).